Im Mittelalter war Montalcino für den Moscadello oder Moscatello bekannt, einen Weißwein mit weicher Süße, den Pietro Aretino 1540 als “prezioso, delicato… tondotto, leggiero” (fein, rund und leicht) beschrieb. Andere Weißweine kamen dazu, außerdem ein Roter aus Sangiovese-Trauben. Die Exzellenz im Weinbau ging so weit, dass umliegende Städte auf diese Gegend eifersüchtig wurden, Florenz und Siena stritten sich von ca. 1200 bis 1500 um ihre Beherrschung. Anfang 1800 bezeichnete der Name “Brunello” eine Sorte von Sangiovese Grosso mit besonders dunklen Beeren (daher “bruni” = braun), die in den Weinbergen von Montalcino beheimatet war. Vielen dieser Rebstöcke machte in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts die Reblaus den Garaus, doch brachte das, was zunächst eine Katastrophe zu sein schien, eine wahre Wein-Renaissance in der Gegend mit sich: um 1865-1870 herum focht ein mutiger Garibaldiner namens Ferruccio Biondi, von den Schlachtfeldern zurückgekommen, zuhause einen nicht weniger harten Kampf aus. Er war entschlossen auf dem Familienhof die von der Reblaus angegriffenen Weinberge wieder anzupflanzen und die Weinforschung seines Großvaters mütterlicherseits, Clemente Santi, weiterzuführen. Er ging sogar so weit, dessen Nachname seinem eigenen hinzuzufügen. Die strenge Auswahl, die Ferruccio Biondi-Santi bei den Wein-Klons traf und vor allen Dingen sein Entschluss den Sangiovese Grosso “Brunello” reinsortig zu vinifizieren (statt ihn mit einem kleineren Anteil von Weißweintrauben zu verarbeiten, wie es damals in Chianti üblich war), brachten die erste Revolution in der Qualität der italienischen Weinwelt mit sich – ein Jahrhundert vor der Einführung der DOCG-Bezeichnung.

Dieser neue Wein, der Brunello di Montalcino, zeigte eine derart unbestreitbar gute Struktur, Langlebigkeit und Komplexität, dass er sofort zum Klassiker wurde. Man denke nur daran, dass seine besten Jahrgänge mit großartiger Eleganz sogar ein Jahrhundert lang reifen können! Es gibt heute immer noch Flaschen von 1888 und der Erfolgsweg des Brunello – seit 1980 DOCG – ist im Laufe der Zeit nicht ins Stocken geraten.

Heute ist der Einfluss des Brunello auf Montalcino nicht weniger stark als der von Montalcino auf den Brunello – d.h. des Terroirs von Montalcino auf die Frucht, die aus ihm ihre Nahrung gezogen hat. Landschaft und Wirtschaft, Lebensstil und tägliches Leben, alle tragen sie die Charakterzüge des Brunello in sich, Aromen, Geschmack und feine Nuancen verleihen sowohl seinem Geburtsort als auch seinen Anbauern Tiefe und Gewicht, überall auf der Welt.

Ein Glas Brunello di Montalcino ist wie ein Glas “Montalcino”: die Sinneserfahrung durch den Brunello wurzelt im Boden von Montalcino, in der Geschichte dieser Stadt und ihrer Einwohner.

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